Staatsverschuldung und Staatsanleihen – Wo kommt das Geld her?

Unser Geldsystem braucht beständig eine Menge Geld, die die aktuelle Wirtschaftsleistung spiegelt und die Warentauschvorgänge ermöglicht. Wer bringt das Geld in Umlauf, und in welcher Form? Viele Menschen glauben, es sei »Omas Spargroschen«, der da als »Kredit« durch die Geschäftsbanken in die Welt gebracht wird. Aber was würde es für die Schuldenkrise, für die Bankenkrisen bedeuten, wenn das Geld »einfach so«, per Buchungsvorgang in die Welt kommt? – Welche Konsequenzen bringt diese Erkenntnis?

Müssen wir uns da überhaupt noch Sorgen machen, wegen der Staatsverschuldung?

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Geldschöpfung aus dem Nichts – gibts.
Hier einige Aussagen, die diese Annahme bestätigen:

    Im Artikel in Wikipedia [1] über den Wirtschaftskreislauf steht:

    In klassischen Lehren wird es oft so dargestellt, dass von Banken verwaltete Sparguthaben an Wirtschaftssubjekte in Form von Krediten verliehen werden. Das ist tatsächlich so aber nicht der Fall. Kreditvergabe benötigt in der Bankbilanz keine Gegenposition in Form von Spareinlagen. Buchgeld wird per Kreditvergabe neu geschaffen.

Die Deutsche Bundesbank sagt [2]:

Seite 72:
In der Regel gewährt die Geschäftsbank einem Kunden einen Kredit und schreibt ihm den entsprechenden Betrag auf dessen Girokonto als Sichteinlage gut. Wird einem Kunden ein Kredit über 1.000 Euro gewährt (z. B. Laufzeit 5 Jahre, 5 % p.a.), erhöht sich die Sichteinlage des Kunden auf seinem Girokonto um 1.000 Euro. Es ist Buchgeld entstanden oder es wurden 1.000 Euro Buchgeld geschaffen: Die Buchgeldschöpfung ist also ein Buchungsvorgang.

Seite 52: Buchgeld ist Geld, aber kein gesetzliches Zahlungsmittel

    Bei Joseph Huber [3] findet man diese Aussagen:

    S.21
    Die Banken räumen verschiedenen ihrer Kunden Kredite … ein. Die meisten Menschen denken, die Banken verleihen dafür das Geld, das sie haben, in diesem Fall ihre Reserven … Auch fast alle Lehrbücher tun so als ob dem so wäre. Damit ist ein fehlerhaftes Verständnis der Funktionsweise des Geldsystems angelegt. Denn eine Bank verleiht Kunden keine Reserven. Sie stellt vielmehr per zusätzlichem Bucheintrag Kredit aus. ……….. Die Mittel werden als Giroguthaben zur Verfügung der Kunden bereitgestellt. Die Banken müssen damit rechnen, dass diese Verbindlichkeit jederzeit, also täglich fällig wird, indem die Kunden diese Guthaben bar abheben oder unbar anderswohin überweisen.

Udo Herrmannstorfer [4] zur Geldschöpfung:

S.133, 134
Inzwischen hat sich auch die Erkenntnis durchgesetzt, dass neues Geld nur auf dem Kreditwege, also auf der Leihgeldebene, in das Wirtschaftsleben eintreten darf. Denn dadurch wird nicht nur Kaufkraft in Umlauf gesetzt, sondern gleichzeitig auch der Prozess zu einer äquivalenten Produkterzeugung angefacht, so dass nicht wie früher die Einseitigkeit der Inflation entsteht, sondern ein neues Gleichgewicht auf höherer Versorgungsebene. Die Möglichkeit, nun die Notenpresse in Gang setzen zu können, weist auf die neu entstehende Frage hin: Wie viel Kredit und damit Geld kann und darf in die Wirtschaft fließen und wie soll das entschieden werden? Die Entwicklung zum bargeldlosen Zahlungsverkehr hat diese Frage noch verschärft. Konnten früher Banken nur Geld verleihen, das bei ihnen für eine bestimmte Zeit dem Geldumlauf entzogen war (Spargeld), so führt bargeldloser Zahlungsverkehr dazu, dass auch das umlaufende Geld physisch nie die Bank verlässt. Jeder «Auszahlung» entspricht dann eine «Einzahlung». Damit wird das Kreditvolumen geldtechnisch grenzenlos.

    Helmut Creutz [5] formuliert die Situation so:

    Das heißt, alle Guthaben, auch die Sichtguthaben, sind niemals Geld, sondern immer nur die Buchung einer Überlassung von Geld an eine Bank! Daran ändert auch nichts die heute den Sichtguthaben-Besitzern eingeräumte Möglichkeit, Bestandteile ihrer Guthaben für Zahlungszwecke an Dritte zu übertragen! Also jene Vorgänge, die zwar den Zahlern die Abhebung von Geld und den Empfängern die Wiedereinzahlung ersparen, aber an der Höhe der Gesamtbestände nichts verändern! Eine Zusammenfassung von Geld und Sichtguthaben ist also allenfalls unter dem Begriff „Zahlungsmittel” denkbar, nicht aber unter dem Begriff „Geld”!

    Genau so wenig wie sich also mit den laufend wiederholbaren Geldausgaben in den Läden die Geldmenge vermehrt, so wenig ist das auch bei den laufend wiederholbaren Geldausleihungen an die Banken und deren Rückführung über Kredite in die Wirtschaft der Fall! – Was sich dabei alleine vermehrt, sind immer nur die addierten Ergebnisse von Vorgängen mit Geld, aber nie die dabei benutzte Geldmenge.

[1]
Wirtschaftskreislauf – http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftskreislauf
[2]
Geld und Geldpolitik – Schülerbuch für die Sekundarstufe II

http://www.bundesbank.de/Navigation/DE/Service/Schule_und_Bildung/Unterrichtsmaterialien/Sekundarstufe_2/sekundarstufe_2.html
[3]
Joseph Huber – Monetäre Modernisierung; 2. Auflage 2011
[4]
Udo Herrmannstorfer – Schein-Marktwirtschaft; 2. Auflage 1992
[5]
Aussagen von Herrn Helmut Creutz zur Geldschöpfung im Text »Vollgeld – Zur Kontroverse über das Thema Geldschöpfung in öffentliche Hand«



Thomas Oberhäuser

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